Entstehung einer funktionellen Beinverkürzung

Entstehung einer funktionellen Beinverkürzung
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Monolateralismus - funktionelle Beinverkürzung - Beckenschiefstand aus der Sicht der Selbsthilfemethode ZILGREI, begründet von Dr. Hans Greissing und Adriana Zillo:

Es ist Dr. Greissings großer Verdienst, die Auswirkung der Rechts- bzw. Linkshändigkeit beim Menschen auf die gesamte Körperstatik wohl erstmals in der Medizingeschichte in vollem Ausmaße erkannt zu haben. Er hat sich insbesondere sehr intensiv mit den Themen Beckenschiefstand und funktionelle Beinverkürzung - im ZILGREI-System "das scheinbar kürzere Bein" genannt - beschäftigt.

Die übliche Vorgehensweise von Orthopäden bei der Feststellung eines Beckenschiefstandes ist leider die, dass dem Patienten in aller Regel eine Sohlen-, oder noch schlimmer, eine Absatzerhöhung auf der Seite des "kürzeren Beines" verordnet wird. Die Regel ist leider auch, dass viele Patienten danach verstärkt Probleme bekommen. Warum ist das so? Unverständlicherweise ignorieren sehr viele Fachärzte für Orthopädie, obwohl sie es während ihrer Ausbildung gelernt haben müssten, die jederzeit mit einfachsten Mitteln nachprüfbare Tatsache, dass es sich bei einem Beinlängenunterschied in über 95% aller Fälle um eine funktionelle Beinverkürzung handelt, die ihre Ursache in einer Verwringung der beiden Darmbeine gegeneinander in der Sagittalebene hat. Dies wiederum kommt meistens durch einen einseitigen Hypertonus oder eine einseitige Verkürzung derjenigen Muskeln zustande, die dorsal an der Crista iliaca ansetzen (hauptsächlich M. quadratus lumborum, aber auch M. longissimus thoracis und M. longissimus lumborum) und damit das eine Darmbein hinten "hochziehen" (die Spina iliaca posterior superior als Bezugspunkt wandert nach anterior-superior) – s. Grafik.

Folge ist, dass sich auf dieser Seite die Hüftgelenkspfanne - die zumeist vor der ISG-Drehachse liegt - und damit auch das ganze Bein nach caudal bewegen - dieses Bein erscheint nun länger, das andere Bein vergleichsweise kürzer, das Becken mit dem sich mittig darin befindlichen Kreuzbein als Basis der Wirbelsäule steht dann insgesamt schief. Hält dieser Zustand länger an, kommt es zu einer kompensatorischen Skoliose der Wirbelsäule, die ihrerseits eine Unzahl von Beschwerden und Krankheitsbildern nach sich ziehen kann. Durch Erhöhungen unter dem scheinbar kürzeren Bein wird die Beckenfehlstatik nur noch weiter fixiert und die muskuläre Balance vollends gestört, was sich über das System der Muskel- und Faszienketten bis in weit von der Ursprungsläsion entfernt liegende Bereiche auswirken kann.

Nur bei einer echten, also anatomischen Beinverkürzung darf - und muss auch - mit Sohlenerhöhungen gearbeitet werden. Zur Unterscheidung der beiden verschiedenen Arten von Beinverkürzung (es gibt natürlich auch Kombinationen) benötigt man lediglich ein Maßband, mit dem man bestimmte Referenzstrecken an Bein und Rumpf ausmisst. Im Zweifelsfall schafft eine Röntgenaufnahme des Beckens Klarheit, z. B. wenn man eine Hüftdysplasie vermutet.

Die Ursache für die ungleiche Entwicklung der zuvor genannten Muskeln ist zu finden in der Rechts- bzw. Linkshändigkeit des Menschen. Dr. Greissing nennt dies Monolateralismus. Da die meisten Menschen Rechtshänder sind, ist bei ihnen die linke o.g. Muskelgruppe fast immer stärker entwickelt, verspannt oder verkürzt. Ausnahmen von dieser Regel findet man aber häufig bei Rechtshändern, die eine überwiegend sitzende Tätigkeit ausüben. Wenn ein Rechtshänder etwas Schweres trägt oder vom Boden aufhebt, oder sich beispielsweise auch nur mit der rechten Hand die Zähne putzt, spannt er zwangsläufig die zur aufrechten Haltung nötigen Muskeln seiner linken Seite mehr an, als die der rechten. Deswegen ist aus den vorgenannten Gründen meistens das linke Bein das scheinbar längere, das rechte Bein das scheinbar kürzere. Jeder, der seine Mitmenschen beim Gehen aufmerksam beobachtet, wird feststellen, dass mindestens jeder Dritte beim Belasten des rechten Beines etwas nach rechts "einknickt" bzw. wie in ein imaginäres Loch tritt - Folge des scheinbar kürzeren rechten Beines, verursacht durch die Rechtshändigkeit.

Nur die Selbstbehandlungsmethode ZILGREI "kümmert" sich adäquat um diese Problematik. Andere Maßnahmen, auch Chirotherapie, helfen auf Dauer nicht, zieht doch die unter größerer Spannung stehende Muskulatur der einen Seite das Darmbein recht schnell wieder in die Fehlstellung zurück. ZILGREI zielt in erster Linie auf die Beseitigung ungleicher Spannungsverhältnisse der paarig angelegten Muskeln ab, wobei es nicht um Kräftigung oder Aufbau wie bei speziellen krankengymnastischen Übungen geht, sondern um gezielte Entspannung bestimmter Muskeln. Im Falle einer funktionellen Beinverkürzung müssen also diejenigen Muskeln entspannt werden, die für die Verwringung der beiden Darmbeine gegeneinander verantwortlich sind. Welche das genau sind, ist für den ZILGREI-Ausübenden völlig unerheblich, da er ja nur eine Selbstuntersuchung auf evtl. vorhandenen Schmerz, andere Missempfindungen und/oder eine Bewegungseinschränkung vornimmt und danach die passende Selbstbehandlung für sich aussucht. Die Korrektur der Darmbeinverwringung geht so auf einfache Art und Weise in Minutenschnelle vor sich, ohne dass der ZILGREI-Ausübende überhaupt wissen muss, welches Bein denn nun scheinbar kürzer bzw. länger ist! Als Therapeut kann man sich aber von dem oft sofort sichtbaren Ergebnis der erfolgreich durchgeführten Selbstbehandlung überzeugen.

Die ZILGREI-Selbstbehandlungen Kranich, Ortolan oder Perlhuhn für die Bewegung im Iliosakralgelenk (ISG) in der Sagittalebene (Flexion/Extension), die Selbstbehandlungen Strandläufer und Eistaucher für die Bewegung im Hüft- und Iliosakralgelenk in der Horizontalebene (Endo-/Exorotation) und die Selbstbehandlungen Seidenschwanz und Heckensänger für die Frontalebene normalisieren in aller Regel Fehlstellungen und muskuläre Dysbalancen sehr schnell und sofort nachprüfbar. Da es durchaus vorkommen kann, dass die Situation am nächsten Tag genau umgekehrt ist, also das zuvor scheinbar kürzere Bein nun das längere ist, kann sich der ZILGREI-Ausübende durch das Prinzip der Selbstuntersuchung und –behandlung umgehend auf die veränderte Statik einstellen und entsprechend gegensteuern. Dazu benötigt er nach vorhergehendem gründlichen Unterricht keinen Therapeuten! Selbstverständlich müssen die passenden Selbstbehandlungen zur Korrektur einer funktionellen Beinverkürzung regelmäßig und immer wieder vorgenommen werden, da ja die eigentliche Ursache, der Monolateralismus, täglich aufs Neue gegeben ist und nicht beseitigt werden kann. Mitunter sind auch zusätzliche Dehnungen für die o.a. Muskelgruppe nötig, da ZILGREI chronisch verkürzte Muskulatur nicht im gewünschten Maße beeinflussen kann.

Die Thematik "Beckenfehlstatik" ist natürlich auch für die Entstehung und Behandlung von Cox-, Gon- und Sprunggelenksarthrosen überaus bedeutsam. Bei fortgeschrittenen degenerativen Prozessen wird die Anwendung von ZILGREI allein natürlich nicht ausreichen, die Methode kann aber jede andere Therapie wirkungsvoll unterstützen und insbesondere im präventiven Bereich eine unschätzbare Hilfe darstellen. Dies gilt für alle Beschwerden des Bewegungsapparates, die mit einer gestörten Trophik, muskulären Dysbalancen und einer daraus resultierenden Fehlstatik einhergehen.

Weitere Infos unter www.zilgrei-eckernfoerde.de

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 - Hochgeladen am 15.01.2011
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